Gmüetlichi Lüüt: „Morgenstraich“, 10. März 2014

Normalerweise glänzte ich an den Tanzproben nach dem Rosenmontag meist mit Abwesenheit, denn - in Basel werden dann die „drey scheenschtä Tääg“ gelebt! Vor mehr als 25 Jahren arbeitete ich längere Zeit in Basel. So hat mich das Basler-Fasnachtsfieber damals gepackt, und bis HEUTE nicht mehr losgelassen. Nun wollte ein Teil der „Gmüetliche Lüüt“ auch einmal den Morgenstreich miterleben. Ja, - was blieb mir anderes übrig, als einen Morgenstreichbesuch zu organisierten, was ich sehr gerne tat :-)!

So reisten wir am Montag in aller Herrgottsfrüh, kurz nach halb zwei Uhr in Baar los, um an diesem Grossereignis teilzunehmen. In Pratteln, trafen wir uns pünktlich vor drei Uhr, beim Coop zum Parkieren. Mit dem „Trämmli“, das sich bei jeder Haltstelle mehr und mehr füllte, bis überfüllte, fuhren wir in die Stadt, bis zur Haltstelle „Bankverein“. Ja, - in Basel gibt es diese Haltestelle noch.

Mit der Zeitrechnung klappte alles perfekt. Es reichte noch für einen Blick von der Pfalz hinunter auf das emsige Vorbereiten zu werfen. Auf der mittleren Brücke beobachteten wir, wie sich die „Fasnächtler“ hin und her bewegten, um zu ihren „Cliquen“ zu gelangen. Es kam uns vor, also ob sich dort unten eine Menge Ameisen über die Brücke zwängten. Für den Start vom „Morgestraich“ stellten wir uns an den „Rhysprung“. 

Genau um vier Uhr löschte das Licht aus, und die Stadt hüllte sich in ein mystisches, klingendes Dunkel. Rund um uns hörten wir den Befehl; „Morgestraich vorwärts Marsch“. Für alle Pfeifer und Trommler fangen die „drey scheenschtä Tääg“ mit dem traditionellen Marsch, dem „Morgestraich“ an.
Die „Fasnächtler“ und die Zuschauer kommen mit dem Marsch in Bewegung. Das heisst aber ganz und gar nicht, dass ALLE in die gleiche Richtung los ziehen. In der „Clique“ selber ist der Routenplan bekannt und so kann es sein, dass in einer engen Gasse eine Gruppe warten muss und einer anderen „Clique“ den Vortritt gibt. Das geschieht ganz spontan und macht es für ALLE spannend.

 

Wie uns von Einheimischen empfohlen, setzten wir uns schon vor halb fünf Uhr an der Schifflände in einem Schiff zum Frühstück. Ganz sicher nicht zu Kaffee und Gipfeli. NEIN, so wie es an der Basler-Fasnacht  üblich ist, bestellten wir Mehlsuppe und Zwiebel- und/oder Käsewähe. Wir staunten nicht schlecht, kaum ergatterten wir einen Platz, so füllte sich das Schiff mit Fasnächtlenr und alle Plätze waren besetzt.

 

Gestärkt begann das „Gässlä“, was heisst, wir folgten einer „Clique“, zum Marktplatz, und dann auf Umwegen den Spalenberg hoch, zum Lohnhof. Dort genossen wir die Aussicht über die Stadt und zum Münster. Von der Stadt unter uns liessen, wir das Pfeifen und Trommeln auf uns wirken, weitab von Hektik, von Auto- oder „Trämmli“-Lärm.

Kaum zu glauben wie die Zeit verstreicht! Schon war es acht Uhr, und in unseren Mägen machte sich das knurrende Verlangen nach einem Frühstück bemerkbar. Im Grand Café Huguenin am Barfüsserplatz stillten wir den Hunger. Vom Café aus konnten wir weiter die Pfeiffer und Trommler bestaunen. Unermüdlich ihre Stücke spielend, gingen sie in dem ruhigen gleichmässigen Schritt über den Platz, ganz im Takt ihrer Musik.

Nach dem Halt dachte noch niemand zurück an das Zugerland, und so schlenderten wir noch einmal durch einen Teil der Innenstadt, am „Läckerli Huus“ vorbei, über den Marktplatz wieder hinauf zum Münster. Auf der „Pfalz“, dem Platz hinter dem schönen Basler Münster, liessen wir es, uns wie viele ander Sonnenanbeter, gut gehen. Die schöne Aussicht und der Blick hinunter auf den Rhein mit der Fähre sind einmalig.

Sehr schnell wurde entschieden, wir wollen auf die andere Seite und das mit „dr Münschterfähry“. Wir stiegen die schmale Treppe von der Pfalz hinunter an den Rhein, und liessen uns vom „Fährimaa“ mitnehmen. Sehr eindrücklich wie sich die Fähre ohne fremde Kraft, nur angebunden an einem Seil über den Rhein, und nur durch das Fliessen des Wassers, auf die andere Seite bewegen kann.

 

Jetzt in „Glaibasel“ schlenderten wir dem Ufer nach zur Wettsteinbrücke. Oben auf dem Wettsteinplatzt lockte uns abermals ein Café an. Beim „Sutter Begg“ testeten wir verschiedenes Fasnachtsgebäck. Wir beobachteten, wie bereits rund um uns für den „Cortège“ (Umzug) am Nachmittag vorbereitet wurde. Es fehlte nicht viel und wir wären da geblieben.

 

Doch - glücklich und zufrieden fuhren wir mit dem 14er „Trämmli“ wieder zurück nach Pratteln. Dass wir wieder kommen, das ist klar, der „drey scheenschtä Tääg“ Virus hat ein paar der Gmüetliche Lüüt infiziert  :-) !

 

Ernst D. Trachsel